Wie und wann Abstillen? Gemischte Gefühle auf dem Weg zur nächsten Entwicklungsphase

Wie und wann möchte ich abstillen?

So schön Stillen ist, irgendwann muss gut sein. Aber wann?

Für manche ist die Frage zeitlich ganz klar. Man kann sich z.B. an der Empfehlung der WHO (World Health Organisation, also Weltgesundheitsorganisation) orientieren und für Muslime ist es am allerleichtesten, da für sie Wissenschaft und Religion einer Meinung sind: Der Quran spricht tatsächlich dieselbe Empfehlung aus, wie die WHO: 2 Jahre!

Dem musst du natürlich nicht folgen, aber das ist die klarste mir bekannte Richtlinie, die dir vielleicht eine grobe Idee gibt, was für dich und dein Kleines passen könnte, falls du noch keine eigene klare Vorstellung hast.

Darüber hinaus kann sich das Abstillen von Seiten deines Kindes ergeben. Dies habe ich allerdings selbst nie erlebt, sondern nur gelegentlich gehört, das Kind habe nicht mehr trinken wollen und sich quasi selbst abgestillt.

Ebenso kann es auch sein, dass es in der persönlichen Situation, in der du dich gerade befindest, sich für dich richtig anfühlt, jetzt abzustillen. Das kann mit Schmerzen beim Stillen, einer Medikamenteinnahme deinerseits, aber auch ganz einfach emotional sein, dass du dich beim Stillen nicht mehr wohl fühlst. Und ja, du bist nicht die einzige, die es irgendwann unangenehm findet, die süßen kleinen Finger in Auge, Nase, Ohr, Kehlkopf und unter die Achseln geschoben zu bekommen. Stillen ist wundervoll, aber irgendwie muss ein Übergang her, damit der kleine Schatz nicht viele Jahre später aus dem Büro anruft „Mama, hab Durst…“

 

Aber wie?

Im besten Fall gemeinsamer Wunsch, notfalls Kompromiss

Egal welche Zeit sich für dich und dein Baby ergibt, wichtig ist, dass ihr euch beide so wohl wie möglich dabei fühlt. Im Idealfall natürlich ihr beide, aber nur weil dein Baby unbedingt noch will, kann es trotzdem Situationen geben, in denen es für dich nicht mehr zumutbar ist und… das Allerwichtigste für ein Baby ist eine mit sich selbst und in ihrem Leben zufriedene Mama. Das ist sogar wichtiger als die kostbare Muttermilch. Ich muss gerade lachen, denn mir fällt ein, dass es ja auch umgekehrt möglich und völlig absurd wäre, dein Baby zur Brust zu zwingen, obwohl es einfach nicht mehr will und seinem Alter nach die Milch auch nicht mehr benötigt, sondern du es nur gerne hättest.

Für dich bedeutet das konkret: Das Stillen ist ein sehr intimes, faszinierendes Geschenk voller Wunder. Niemand hat das Recht, dich zum Abstillen oder zum Weiterstillen zu drängen. Das ist dein Körper! Und du bist die wichtigste Person im Leben deines Babys. Das heißt, so wundervoll Muttermilch ist, dein Empfinden empfängt das Baby und das hat einen noch größeren Einfluss als selbst das wunderbare Stillen. Deswegen ist es wichtig, dass du dich mit deiner Entscheidung so wohl fühlst, dass du dahinter stehen kannst.

Dieses mütterliche Selbstwertgefühl ist sehr wichtig für die emotionale Entwicklung deines kleinen Schatzes. Kinder machen nicht, was du sagst, sondern was du ihnen vorlebst. Und diese für die Entwicklung so grundlegende Nachahmung beginnt bereits kurz nach der Geburt. Deswegen wird das Abstillen an sich auch umso leichter, je zufriedener du selbst mit der Entscheidung abzustillen bist. Deine Zufriedenheit überträgt sich wie alle deine Emotionen und Stimmungen auf dein Baby!

Natürlich macht es Sinn, sich den Rat des Partners, anderer lieber naher Verwandter und eventuell Freunden und wen du sonst noch möchtest anzuhören. Du kannst auch eine Stillberaterin zu Rate ziehen. Aber die Entscheidung, sowohl wie, als auch wann muss bei dir liegen. Denn niemand kennt dich, deinen Körper, dein Baby und eure ganz persönliche Lebenssituation so genau wie du.

 

Stillen mit anderer Zuwendung ersetzen

Anfangs war Stillen das perfekte kleine Wunder, eine Symbiose aus der idealen Nahrung und essenziellen Möglichkeit eine innige Bindung zu vertiefen, die sich zwischen Mama und Baby fortgesetzt aus der Schwangerschaft und der gemeinsamen Geburt entwickelt.

Im Laufe der Monate wird das anfängliche Bedürfnis des Babys gestillt zu werden aber immer mehr eine nette Gewohnheit, auf die es nicht mehr angewiesen ist. Und Gewohnheiten zu ändern fällt uns grundsätzlich schwer. Das wissen wir alle, sei es Essgewohnheiten, die Art wie wir sprechen oder die Disziplin früh schlafen und weniger ans Handy zu gehen. So ist es auch beim Baby, zumal es natürlich immer schön ist eine warme, süße Flüssigkeit frisch aus der warmen, weichen Haut des liebsten, vertrautesten Menschen der Welt zu trinken. Dabei ihren, Mamas, Herzschlag und ihren Atem zu hören…

Würdest du dich da so leicht abstillen lassen? Wohl kaum!

Zu wissen, dass es inzwischen eine lieb gewonnene Gewohnheit deines Babys ist, ist trotzdem sehr hilfreich!

So sehr wir nämlich alle an unseren Gewohnheiten festhalten, wir brauchen nur genug Neugierde, um sie durch neue, bessere Gewohnheiten zu ersetzen. Würde es dir nicht leichter fallen auf fettiges Eis und Pralinen mit viel Zucker zu verzichten, wenn es für den gleichen Preis einen tatsächlich noch viiiieel besser schmeckenden, gesunden und natürlich in jedem Geschäft direkt neben der Kasse erhältlichen, Ersatz gäbe?

Die gute Nachricht ist, Babys und Kleinstkinder sind wahnsinnig neugierig und so ist es keine Überraschung, dass meine Tochter sich tatsächlich auf ein paar Spielchen eingelassen hat, die ich ihr anbot, sobald sie nochmal trinken wollte. Essen würde ich nicht empfehlen anzubieten, es sei denn du gehst davon aus, dass dein Kind gerade in dem Moment tatsächlich großen Hunger hat.

Wenn du dich mit der Entscheidung abzustillen wohl fühlst, wird es dir auch leicht fallen, deinem Baby mit liebevollem Verständnis zu begegnen, wenn es nochmal nach der Brust verlangt, obwohl du sie jetzt nicht mehr geben möchtest. Stehe klar zu deinem Nein, aber sanft. Biete deinem Baby den Arm, Streicheln, ein Spiel oder Liebe und Wärme auf andere Weise an, so dass es fühlt: Du bist nach wie vor nah, du bist da und wirst es immer lieb haben, dich um deinen Schatz kümmern und so viel hat sich gar nicht geändert.

Ihr seid einfach einen Schritt gegangen. Einen Schritt zu mehr Unabhängigkeit für euch beide. Das ist in dem Moment schmerzhaft, aber nicht selten fühlt auch dein Baby die Aufregung der neuen Möglichkeiten. Eine Übernachtung bei Oma oder ein längerer Ausflug mit Papa ist abgestillt einfach leichter.

 

2 Kommentare zu „Wie und wann Abstillen? Gemischte Gefühle auf dem Weg zur nächsten Entwicklungsphase“

    1. Danke dir! Hab jetzt noch ein bisschen ergänzt, vor allem der Schlussteil hilft dir vielleicht noch ein bisschen mehr als vorher. Alles Gute dir und deiner Tochter, richtig? Heute schaffe ich es nicht mehr, aber ich schaue auch nochmal bei dir vorbei.

      Liebe Grüße!
      Deine Jana

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